Keltenstadt Heuneburg

Die Gesellschaft für Archäologie in Württemberg und Hohenzollern verabschiedet sich nach sechs Jahren Trägerschaft und dankt allen Besuchern des Freilichtmuseums Heuneburg sehr herzlich.

Das Freilichtmuseum Heuneburg wird im Jahr 2020 unter neuer Trägerschaft öffnen.

 

"Der Istros entspringt bei den Kelten und der Stadt Pyrene und fließt mitten durch Europa" schrieb der griechische Schriftsteller Herodot von Halikarnassos (484 - 425 v. Chr.). Pyrene - die keltische Stadt, ist der älteste namentlich erwähnte Ort Mitteleuropas. Vieles spricht dafür, dass Herodots Pyrene mit der Heuneburg identisch ist. So liegt die Heuneburg nur ca. 80 Kilometer vom Ursprung der Donau bei Donaueschingen entfernt.

Die Ausgrabungen lassen keinen Zweifel daran, dass es im Bereich der oberen Donau nur eine Fundstätte des 6. und 5. Jahrhunderts v. Chr. gibt, welche die architektonische Qualität, Größe und Bedeutung aufweist, um von einem griechischen Händler oder Reisenden als Stadt bezeichnet zu werden: die Heuneburg.

Zu ihrer Blütezeit lebten in der Keltenstadt und ihrer Außensiedlung nach wissenschaftlichen Brechnungen etwa 5000 Menschen.

 

Entstehungsgeschichte der Heuneburg-Museen

Obwohl die Heuneburg schon seit dem 19. Jahrhundert bekannt ist, gab es lange Zeit nur einige Erläuterungstafeln an dieser außergewöhnlichen Fundstätte. Erst 1981 fasste die Gemeinde Herbertingen den Entschluss, die Ergebnisse der Heuneburgforschungen auch vor Ort der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Mit Unterstützung durch den neu gegründeten Verein Heuneburgmuseum e. V., des Württembergischen Landesmuseums, des Landesdenkmalamtes und der Universität Tübingen konnte 1985 im Ortsteil Hundersingen das Keltenmuseum Heuneburg eröffnet werden.  Durch die Übernahme ins Förderprogramm LEADER der EU im Jahr 1996 bot sich zudem die Möglichkeit, das Bodendenkmal selbst durch den Bau eines Freilichtmuseums für die Besucher erfahrbar zu machen. Zwischen 1999 und 2006 wurden auf dem Plateau der Heuneburg Nachbauten eines Teils der Lehmziegelmauer, eines Wohnhauses, eines Speicherbaus, einer Werkstatt, eines großen Herrenhauses und zwei weiterer Gebäude errichtet. Hinzu kam ein Besucherzentrum mit Kasse, Café und Museumsshop.

Bis zum Jahr 2013 wurden beide Museen von der Gemeinde Herbertingen betrieben, bevor die Gesellschaft für Archäologie in Württemberg und Hohenzollern e.V. und der Verein Heuneburg-Museum e.V. die Trägerschaft des Freilichtmuseums übernahmen. Im folgenden Jahr wurde das Steinfundament der äußeren Toranlage direkt oberhalb des abgedeckten originalen Steinsockels nachgebaut. Eine Stahlsilhouette über dem Fundament, der vorgelagerte Graben und eine Holzbrücke ergänzen den Nachbau, so dass das ursprüngliche Erscheinungsbild des Eingangs zur Keltenstadt heute wieder nachvollziehbar ist. Gleichzeitig wurde auch ein Stück des im 19. Jahrhundert eingeebneten Vorbugwalls wieder aufgeschüttet, wodurch die Zweckmäßigkeit und Zugehörigkeit der noch sichtbaren originalen Wall-Graben-Stücke des Befestigungssystems der Anlage augenscheinlich erlebbar geworden sind.

 

Vielfältige Vermittlungswege

Um sich die Heuneburg zu erschließen, stehen den Besuchern heute mehrere Möglichkeiten offen.

Die räumliche Ausdehnung der Keltenstadt und die Monumentalität der Bauwerke werden den Besuchern durch die Nachbauten der Häuser und des Lehmziegelmauerabschnitts in Originalgröße innerhalb des Freilichtmuseums, durch das rekonstruierte Steintor und durch die Wiederaufschüttungen von Wall und Grabhügeln im Umland vermittelt.

Im Wohnhaus sowie in der Schmiede veranschaulichen zudem Repliken deren ursprüngliches Inventar und geben einen Eindruck vom Leben und Arbeiten der frühen Kelten. In einem kleinen Gärtchen finden sich Nutzpflanzen, die naturwissenschaftlich für die Zeit der Heuneburg belegt sind.

Digitale 3D-Rekonstruktionen ermöglichen zudem eine Visualisierung der gesamten Bebauung der Heuneburg zwischen 620 und 450 v. Chr., ohne dass ein weiterer Eingriff in das Bodendenkmal notwendig wird.

Die wesentlichen Informationen zur Besiedlungs- und Forschungsgeschichte finden sich auf dem aktualisierten Beschilderungssystem. Seit der Neukonzeption des Inneren des Herrenhauses im Jahr 2014 ist dieses multifunktional nutzbar. Es bietet Räumlichkeiten für verschiedenste Veranstaltungen, zeigt Computeranimationen sowie Ton- und Filmstationen und bietet die Fläche für die zeitnahe Präsentation aktueller Forschungsergebnisse. Bewusst wurde hier auf eine zu statische Gestaltung der didaktischen Elemente verzichtet, um den Charakter des noch nicht abgeschlossenen Forschungsprozesses zur Heuneburg widerzuspiegeln. Im Zentrum stehen derzeit das Fürstinnengrab vom Bettelbühl, die neuesten Erkenntnisse zur Heuneburg als überregionales Siedlungszentrum mit europaweiten Handelskontakten sowie das neue Langfristprojekt mit seinen Forschungen zum Umland der Heuneburg.

Im Keltenmuseum Hundersingen sind nach wie vor zahlreiche Originalfunde von den Ausgrabungen auf der Heuneburg zu sehen. Die Dauerausstellung behandelt die Themenschwerpunkte Handel, Handwerk und Besiedlungsgeschichte. Wechselnde Sonderausstellungen ergänzen das Spektrum. Ein archäologischer Wanderweg verbindet beide Museen und führt zu den Bodendenkmalen im Umland der Heuneburg.